Nicola Förg: Hüttengaudi

Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Kommissarin Irmi Mangold von der Kripo Garmisch ist genervt. Ihre Nachbarin Lissi hat sie zu einer Schrothkur in Oberstaufen überredet. Ständig in heiße Wickel gehüllt daliegen und kaum etwas zu essen bekommen. Eine großartige Urlaubswoche…Dann jedoch passiert etwas Unerwartetes, was die Kommissarin auf einen Schlag in ihre Vergangenheit zurück versetzt. Eine der Angestellten des Kurhotels findet einen noch im Wickel befindlichen Toten. Dieser ist eindeutig keines natürlichen Todes gestorben, sondern wurde ermordet. Als sich Irmi Mangold am Tatort den Toten besieht läuft es ihr eiskalt den Rücken herunter. Der Tote ist ihr Ex-Mann Martin Maurer, den sie vor über zehn Jahren das letzte Mal gesehen hat.

Kurze Zeit nach der Rückkehr in ihr Hotelzimmer erhält die Kommissarin einen Anruf ihrer Kollegin Kathi Reindl. In Garmisch wurde in einem Waldstück ebenfalls ein Toter gefunden. Es handelt sich um den Liftbetreuer Xaver Fischer, der im örtlichen Skiclub gerne einmal eine dicke Lippe riskierte und der einen Hass auf die ebenfalls im Ort ansässigen Betreiber einer modernen Skihütte hatte. Auf den ersten Blick scheinen beide Morde in keinem Zusammenhang zu stehen, dann jedoch finden Irmi Mangold und ihre Kollegen nicht nur heraus, dass die Todesursachen diesselben waren, sondern auch, dass sich Maurer und Fischer gekannt haben. Sie schienen eine höchst merkwürdige Geschäftsbeziehung miteinander gepflegt zu haben. Offenbar hatten sie sich damit nicht nur Freunde gemacht. Und diese Wiedersacher hatten nun augenscheinlich reinen Tisch gemacht. Nur, wer waren die?

Nicola Förg hat mit “Hüttengaudi” bereits den dritten Alpen-Krimi um Kommissarin Irmi Mangold geschrieben. Das Hörbuch wird von Michaela May gelesen, der man den Spaß an der Interpretation der Geschichte deutlich anhört. Nicht nur den wunderbaren Dialekt der Gegend, sondern auch die typischen Charaktereigenschaften der Alpenländer vermag sie äußerst treffend zu interpretieren. Die Geschichte nimmt auf den ersten drei CDs deutlich an Fahrt auf und wird gleichzeitig immer verworrener. Das wird dann durch ein weiteres Verwirrspiel auf CD Nummer vier noch weiter ausgebaut und macht es zum Ende hin zunächst ein wenig schwer, dem Handlungsverlauf zu folgen. Am Ende jedoch wird das Katz- und Maus-Spiel in äußerst klarer und erneut spannender Weise aufgeklärt. Schießlich ist man gemeinsam mit der Protagonistin am Ende eines nervenaufreibenden, weil persönlich äußerst nahe gehenden Krimis angekommen und hat 309 Minuten lang mitgefiebert. Echt gute bayrische Unterhaltung, die hoffentlich weiter fortgesetzt wird.

Hörprobe:“Hüttengaudi”

Rita Falk: Schweinskopf al Dente

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , ,

Kommissar Franz Eberhofer schreitet ein drittes Mal zur Tat. Nach “Winterkartoffelknödel” und “Dampfnudelblues” ist “Schweinskopf al Dente” der neuste Streich der Allgäuerin Rita Falk, welche ihren Eberhofer Franzl dieses Mal nach einer blutigen Morddrohung an den ortsansässigen Richter Moratschek auf den Plan ruft. In dessen Bett hat vermutlich Dr. Küstner, ein vor Kurzem aus dem Gefängnis geflohener Mörder, der vom Richter zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, einen blutigen Schweinskopf hinterlassen.

Der Richter ist außer sich vor Angst und flieht in seiner Verzweiflung in die Obhut von Eberhofers Papa und der fast tauben, aber patenten Oma. Der just von der Polizeidirektion mit neuer Uniform und Beförderung ausgestattete Kriminalbeamte macht sich daraufhin in gewohnt unkonventioneller Weise auf die Suche nach dem Bösewicht. Die führt ihn schließlich sogar weit fort aus Niederkaltenkirchen bis nach Italien. Dort trifft er ganz zufällig nicht nur auf eine heiße Spur in Sachen Dr. Küstner, sondern auch auf seine ehemalige große Liebe Susi, die an der Seite ihres neuen italienischen Freundes alles andere als glücklich ist…

Ein neuerlicher gelungener und temporeicher Krimispaß, gelesen von Star-Comedian Christian Tramitz, dessen Stimme für die vergnüglichen Ausführungen Eberhofers wie geschaffen scheint.

Hörprobe “Schweinskopf Al Dente”
Leseprobe “Schweinskopf Al Dente”

Donna Leon: Lasset die Kinder zu mir kommen

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , ,

Ein Arzt, seine Frau und sein Kind werden des Nachts von einem Trupp der venezianischen Carabineri aus dem Schlaf gerissen und der kleine Alfredo wird den Eltern mit der Begründung genommen, er sei widerrechtlich von einer osteuropäischen Frau gekauft worden. Dabei wird der sich zur Wehr setzende Arzt von den Angreifern schwer verletzt. Wenig später wird Commissario Guido Brunetti und seine Kollegen in den Fall eingeschaltet, da nicht klar ist, ob und warum die Carabinieri überhaupt in das Haus der Familie eindringen durften. Brunetti steht vor einem verzwickten Rätsel um Kinderhandel, Verleumnung und Datenraub. Dabei bekommt er tätkräftige weibliche Unterstützung von seiner Frau Paola und Signorina Electra, der schauspielerisch brilliant agierenden Sekretärin seines Vorgesetzten, die auch gute Kontakte zur ebenfalls äußerst hilfreichen Computerhackerszene unterhält.

Donna Leon beschert ihrem venezianischen Kultermittler in seinem sechzehnten Fall eine Thematik von äußerster Brisanz und mit zeitkritischem Hintergrund. Brunetti meistert ihn mit viel Bravour, nicht zuletzt wegen seines rauen, aber herzlichen Charmes und aufgrund der vielen kulinarischen Köstlichkeiten, die er auch dieses Mal von seiner Frau und den ihn umgebenden Restaurantbesitzern serviert bekommt. Dabei erfährt “Lasset die Kinder zu mir kommen” jedoch so manche überraschende Wendung, mit der der Commissario und seine Kollegen fertig werden müssen. Jochen Striebeck liest den spannenden Kriminalfall mit viel Bravour und dem nötigen Schwung in der Stimme, der das venezianische Flair der Handlung ausgesprochen gut zur Geltung kommen lässt.

Hörprobe “Lasset die Kinder zu mir kommen”

Tim Binding: Cliffhanger

Schlagwörter

, , , , , , , ,

Al Greenwood hat alles, was sich ein Mann nur wünschen kann: Ein Haus am Meer, ein Auto, mit dem er einen einträglichen Taxiservice betreibt, zwei Koi-Karpfen, die prächtig  gedeihen und mit Audrey eine treue Ehefrau, die er allerdings dringend loswerden möchte. An einem verregneten Septembertag fasst er kurzerhand einen Entschluss, verabredet sich mit seiner Gattin unter einem Vorwand am nahe gelegenen Cliff und schubst die dort im gelben Regenmantel auftauchende Gestalt ohne viel Nachzudenken die Klippen herunter.

Als er zufrieden mit seinem Werk nach Hause zurückkehrt traut er seinen Augen nicht. Audrey räkelt sich genüßlich und sichtlich lebendig vor dem Kamin. Al überkommt das blanke Entsetzen, zumal er keine Ahnung hat, wen er statt ihrer die Klippen herunter gestoßen hat. Als er kurze Zeit später erfährt, dass seine geliebte ebenfalls im Ort ansässige uneheliche Tochter Miranda spurlos verschwunden ist plagen ihn solche Gewissensbisse, dass er schon kurz davor ist, sich der Polizei zu stellen. Doch schließlich zwingt er sich zur Ruhe, denn es gibt diverse Indizien dafür, dass Miranda nicht die Frau am Kliff gewesen ist. Doch wer war sie und warum verhält sich Audrey plötzlich so merkwürdig? Ahnt sie, was er noch immer gerne in die Tat umsetzen möchte?

Tim Binding hat mit “Cliffhanger” die perfekte Mischung aus Kriminalroman, Beziehungsdrama und Verwechslungskomödie geschaffen. Das Buch, welches im Mareverlag als Hardcover bzw. bei Heyne als Taschenbuch erschienen ist und bei GoyaLit in der Hörbuchfassung vom leider unlängst verstorbenen Dietmar Mues eingelesen wurde ist mit viel Tempo, aber auch ebenso viel Emotionalität geschrieben. Schon nach kurzer Zeit kann man sich in den Protagonisten hineinfühlen und möchte mit ihm am liebsten gemeinsam Mordpläne in Bezug auf seine überheblich und hochnäsig daher kommende Ehefrau schmieden. Perfekte Unterhaltung für graue Winternachmittage.

Hörprobe “Cliffhanger”
Leseprobe “Cliffhanger”

Jutta Profijt: Kühlfach 4

Schlagwörter

, , , , , , , , , , , ,

Der kleinkriminelle Autodieb Pascha wird beim Versuch, einen teuren Sportwagen zu stehlen, hinterrücks ermordert. Seine Seele entweicht erschrocken aus dem toten Köper und muss mit ansehen, wie dieser von der herbeigerufenen Polizei in die Pathologie zur Obduktion überstellt wird. Immer noch verstört über den Vorgang stellt Pascha fest, dass sein neuer Wohnort nun zunächst einmal das Kühlfach 4im pathologischen Institut der Kölner Polizei zu sein scheint. Er kommt überdies zu dem Schluss, dass er auf jeden Fall seinen Mörder finden muss, damit seine Seele endlich auch in Frieden ruhen kann. Dafür muss er zunächst jedoch erst einmal jemanden ausfindig machen, dem er sich mitteilen kann.

Der ist mit dem Pathologen Dr. Martin Gänsewein nach kurzer Zeit gefunden. Dieser ist zwar zunächst alles andere, als erfreut, ja, sogar eher erschrocken darüber, in Kontakt mit der Seele eines Toten zu stehen. Aber weil ihm Pascha nicht mehr von der Seite weicht und ihn immer wieder damit löchert, denjenigen zu finden, der für die “grenzenlose Schweinerei” seines Todes verantwortlich ist, willigt der penible und in Bezug auf Frauen eher schüchterne Arzt schließlich ein und macht sich gemeinsam mit Paschas Seele in seiner Ente und mit einem Teil seiner geliebten Stadtplansammlung auf die Suche nach Paschas Mörder. Dabei muss er vielfach über seinen eigenen Schatten springen und bis hinein in die Rotlichtszene der Stadt seine heimlichen Ermittlungen tätigen…

Mit Schauspieler Ingo Naujoks hat Lübbe Audio einen echten Volltreffer bei seiner Sprecherwahl gelandet. Seine freche, rheinisch eingefärbte Sprechweise passt ausgezeichnet zu dem unfreiwillig zum Geist gewordenen Autodieb Pascha, der die Geschichte aus seiner Sicht der Dinge erzählt. Dass dabei die skurrile Geschichte nicht selten herrlich komische Momente in sich birgt, versteht sich von selbst. Ein etwas anderer Krimi der heiteren Art, mit dem die ehemalige Unternehmerin und heutige Kriminalautorin Jutta Profijt eindeutig zu überzeugen weiß.

Hörprobe: “Kühlfach 4″

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.